Dieser Notenständer ist kein dienendes Objekt – er ist eine Haltung.
1984 entstanden, in einer Zeit, in der das sogenannte „Neue Deutsche Design“ begann, Konventionen aufzubrechen, steht er exemplarisch für eine radikale Neuinterpretation des Gebrauchsgegenstands. Statt sich unterzuordnen, behauptet er sich: als Linie im Raum, als Spannung, als Geste. Die klassische Funktion des Notenständers bleibt zwar erhalten, doch sie wird beinahe beiläufig – das Eigentliche ist die skulpturale Präsenz.
Gefertigt aus 12 und 16 mm Rundstahl, farblos lackiert, zeigt sich das Material unverstellt. Keine Verkleidung, kein Dekor – nur Struktur, Rhythmus und Balance. Die auseinanderstrebenden Stäbe wirken wie eingefrorene Bewegung, wie ein Moment kurz vor der Auflösung. Es ist, als würde die Musik selbst bereits im Objekt sichtbar werden, noch bevor ein Ton erklingt.
Dass der Stern ihn einst als „Musik für schräge Töne“ bezeichnete, trifft den Kern sehr genau. Dieser Notenständer sucht nicht die Harmonie im klassischen Sinne, sondern die Reibung, das Dazwischen, das Unbequeme – und gerade darin liegt seine Kraft.
Er wurde in zahlreichen Ausstellungen gezeigt – Gefühlscollagen, Wohnen von Sinnen, Möbel per Du, Erkundungen: Nutz Lust Kunst – und immer wieder publiziert. Dabei bewegte er sich souverän zwischen Design, Kunst und Inszenierung. Ein Objekt, das sich nicht festlegen lässt.
Dass ein Exemplar im Besitz von Tina Turner ist, wirkt fast folgerichtig: Auch hier trifft Ausdruck auf Eigenwilligkeit, Energie auf Formbewusstsein.
Am Ende bleibt ein Notenständer, der keiner sein will – sondern ein eigenständiges Zeichen im Raum. Ein Stück gebaute Spannung. Eine Einladung, Musik anders zu denken.
H/B/T = ca. 180/140/110 cm