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Das ganze Spektrum gehört zusammen - Fragen an Peter Schmitz


Metall & Gestaltung
Das ganze Spektrum gehört zusammen - Fragen an Peter Schmitz

Artikelnummer: Presse

H.T. Sie bezeichnen sich als Metallgestalter und fühlen sich, so vermute ich, auf Grund einiger Aufsätze von Ihnen, als Schmied. Wollen Sie so einer Festlegung als Designer oder Kunsthandwerker entgehen?

Schmitz: Den Schmied verstehe ich als Archetypus des schaffenden Menschen, als einen der ersten Handwerker. Er konnte das Feuer bannen. Ich bezeichne mich als Metallarbeiter, weil das relativ neutral ist. Ich sage nicht: ich bin Künstler. Ich will natürlich damit einem Schubladendenken entgehen. In meinem Briefkopf steht: Designer. Titel sind wichtig, um Aufträge zu bekommen und ein angemessenes Honorar. Ich mache die Qualität der Arbeit und des Produkts nicht am Titel fest und nicht an dem, was man tut, sondern am Inhalt. Wenn die Dinge so sind, dass man sich als Künstler fühlen kann, dann ist diese Arbeit vielleicht ein Kunstwerk.

Habe ich dagegen einen Auftrag, der nicht so in die Tiefe geht, bei dem ich vor allem daran denke, wie verdiene ich mein Geld mit einem gerechtfertigten Aufwand, dann bin ich in dem Augenblick Schmied oder Metallarbeiter. Ich versuche nicht, mich einzuordnen.

H.T. Sie haben sich einen Namen in der Designer-Szene gemacht mit dem Sprung über die Grenze vom Gebrauch in den Nichtgebrauch – mit der Gestaltung von Stühlen. Das war zu einem Zeitpunkt, an dem in Deutschland ein großes Interesse daran herrschte, diese Grenzen nicht mehr ernst zu nehmen. Plötzlich wurde Design so verstanden, dass man sich nicht auf die Stühle setzen können musste, aber dass sie das Problem StuhI formulierten.

Design ist in die Skulptur hineingegangen. Wie ungewöhnlich oder wie selbstverständlich ist das gewesen? Wie kompliziert ist diese Situation für Sie gewesen? Sie sagten ja: ich verdiene mein Geld mit dem Auftrag.

Schmitz: Ich habe die Stühle nicht gebaut, um damit Geld zu verdienen. Das gilt genauso für meine Schalen. Ich baue meine Dinge und verkaufe sie zum Glück auch - aber das dauert zum Teil vier, fünf Jahre. Die Arbeiten, die im ,Neuen Deutschen Design’ abgefeiert wurden, verkaufe ich heute. Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg hat jetzt einen StuhI gekauft und nicht 1984. Ich habe meine Objekte nie als Neues Deutsches Design betrachtet, gerade die Möbel nicht. Am Anfang, noch während der Studienzeit, dachte ich viel mehr im Bereich der freien Skulptur. Ich habe unterschieden zwischen Gebrauchsgegenstand und Skulptur.

Auf Ausstellungen habe ich dann bemerkt: der Betrachter, Nutzer, Kunde fasst sich an den Kopf, wenn er diese freien Skulpturen sieht und denkt - und dafür bekommt der Typ auch noch einen Haufen Geld. Da wird dann sofort der Inhalt hinterfragt -,,was will uns der Künstler damit sagen"". Die meisten Ausstellungsbesucher sind nicht bereit, selber aktiv zu werden und die Objekte auf sich wirken zu lassen."

Die Musik ist eine der edelsten Formen der Kunst, weil sie sich direkt ans Herz der Menschen richtet. Den gleichen Schritt habe ich versucht, indem ich gesagt habe: meine Skulpturen sind, solange es irgendwie geht, Gebrauchsobjekte, wo ein Wiedererkennen da ist, und Vater und Mutter den Kindern erklären: das ist ein StuhI, da ist ein Mopedteil angeschweißt und da ist eine Kette und da ist ein Schweissdraht...

Der Gebrauchsgegenstand ist auch ein bisschen dazu da, die Leute zu übertölpeln - es ist der Versuch, den kurzen Weg zu gehen, damit die Menschen das direkt auf sich wirken lassen. Das war kein Neues Deutsches Design, das war kein Avantgarde-Design - das war Alltagsreaktion. Natürlich kommen dann Problemformulierungen dazu: StuhI ist für mich ein zentrales Thema, das ist der Gegenstand im Haus, den jeder für sich besitzt. Nach der Ausbildung hatte ich zunächst keine Aufträge, da hatte ich mehr Zeit, freie Objekte zu bauen.

H.T. Ist es nicht erstaunlich, dass die durch freie Assoziation lebenden Möbelskulpturen Aufträge gebracht haben, und das es nicht in die Richtung zur freien Kunst ging? Es herrschte offensichtlich eine Nachfrage, die vom Gebrauchswert angeregt war.

Schmitz: Ich habe gerade einen Auftrag für eine Ladeneinrichtung erhalten, bei dem ich anfangs große Probleme hatte, weil ich da nicht als der Designer gesehen werde. Ich werde da als Künstler gesehen, der auch eine Ladeneinrichtung entwerfen kann. Gerade im Bereich der angewandten Kunst wäre es mir viel lieber, wenn ich als Designer angesehen würde, als Innenarchitekt oder Raumplaner. Bei meinen Aufträgen hatte ich mehr als einmal damit zu tun, dass das Vertrauen darein fehlte, dass ich große Summen verwalten kann, etwa bei einem Kantinenumbau.

Es heißt immer wieder: der ist ja Künstler. Das Ringen um die Kompetenz ist auch heute noch da. Die Leute stellen mich anderen eher als den Künstler vor, von dem sie etwas entwerfen lassen, als den Designer, der auch Skulpturen macht. Dabei mache ich relativ wenig freie Skulptur. Die Kunden und Sammler trennen nicht. Sie bestellen bei mir eine Sitzecke, aber kaufen gleichzeitig auch Skulpturen.

H.T. Gleichwohl haben wir aber do zwei getrennte Märkte, die man kaum miteinander verknüpfen kann – den Kunstmarkt, der mit den Messen Köln, Basel, Frankfurt, Paris umschrieben wäre und den Kunsthandwerksmarkt, der wieder seine eigenen Messen hat, München, Hamburg und auch Frankfurt, aber Frankfurt in einem anderen Kontext.

Schmitz: Ich dränge nicht in den Kunstmarkt hinein. Ich verkaufe meine Skulpturen, aber nicht über Kunstgalerien - das ist eher die Ausnahme, auch nicht an Kunstmuseen, das ist auch eher die Ausnahme.

H.T. Wenn Sie von Skulptur sprechen, haben Sie dann das gleiche Verständnis und Empfinden für das, was dahinter steckt, wie der bildende Künstler, der zeitgenössische Bildhauer?

Schmitz: Ich versuche, meine Sprache zu entwickeln - und ob das Kunst oder Kunsthandwerk oder Design ist, das ist nicht meine Aufgabe herauszufinden. Ich mache meine Dinge und die, die inhaltlich untermauert sind, sind für mich natürlich Kunst’. Kunsthandwerker im üblen Sinne ist für mich jemand, der die Dingwelt nur verschönern will, ohne dass sich da eine eigene Sprache wiederfindet. Ich glaube, ein StuhI kann Kunst sein, wenn er nicht gemacht ist, um bequem darauf zu sitzen. Ich würde die Grenze nicht in der Form, sondern im Inhalt ziehen. Es gibt sich überschneidende Felder - und ich denke, in dem Bereich bewege ich mich häufiger, ohne aber für die einzelnen Arbeiten eine Zuordnung vorzunehmen.

H.T. Wenn ich versuche, Ihr Oeuvre zu sichten, dann finde ich sehr unterschiedliche Formen, die ich nicht auf einen Nenner bringen und an denen ich auch nicht gleich eine Entwicklung ablesen kann. Ist für Sie die Auseinandersetzung mit Raum oder Volumen vielleicht ein untergründiger thematischer Faden? Die für die Ausstellung vorgesehenen Objekte sind alle geschlossene Volumina.

Schmitz: Die erste zentrale bildhauerische Frage ist für mich der Raum, der beschrieben wird, und der Raum, der drum herum ist. Ich habe Schaufenstergestalter gelernt- man nannte das damals Schauwerbegestalter - da hatte ich Schaufenster, also abgeschlossene Räume. Ich konnte in jedem Raum ein Thema behandeln. Ich konnte die Stimmung beeinflussen durch den Raum, den ich gestaltet hatte. Vielleicht blicke ich jetzt auf die Anfänge meiner beruflichen Laufbahn zurück. Bei meinen doppelwandigen Schalen, die sehr häufig ausgestellt worden sind, ist mir die Frage nach dem Raum sehr deutlich geworden: was ist innen, was ist außen, welcher Raum wird da umschrieben? Was ist so eine Schale? Sie ist, zuerst einmal ein Platzhalter in unserer überfüllten Welt.

Ich sammle selber allen möglichen Kram und kenne die Situation, wie man vieles um sich herum hortet und auftürmt und auch im Überfluss hat. Da ist die Schale ein Platzhalter. Es ist zwar ein Widerspruch: aber in diese Schalen legt man eigentlich nichts rein. Entweder sind sie zu groß oder zu klein. Sie behaupten sich und schaffen ihren Platz und gefüllt werden sie eher mit gedanklichen oder symbolischen Inhalten. Es sind Meditationspunkte, vor denen man sitzen kann. Irgendwie fangen sie einen virtuellen Raum und beanspruchen den für sich.

Und die Regale? Die eigentlich auch. Natürlich sind sie nach außen Regale, in denen man was stapeln kann. Aber es sind Hohlkörper, die ein eigenes Leben haben. Alles, was ich aus BIech baue, sind Hohlkörper - es sind, obwohl ich das nicht so genannt wissen möchte, profane Reliquiare’. Die Hohlkörper sind gefüllt mit Dingen, die keinen etwas angehen: das können kleine Skulpturen sein, das können Briefe oder Zeichnungen sein. Es erfährt auch niemand, was in den Hohlkörpern drin ist, es sei denn, jemand macht sie auf. Aber vielfach verbrennen die Inhalte, etwa wenn geschweißt wird. Manche sind deshalb nochmals extra in Blei verpackt.

Die Hohlkörper sind also gefüllt, sie haben Inhalte - nicht nur gedankliche, sondern reale. ,,Metallsubjekte"" nenne ich sie. Sie werden durch mich und auch durch den Benutzer beseelt. Die „Metallsubjekte" sind langlebig, die wandern nicht nach fünf Jahren in die (Abfall) Tonne, sondern begleiten einen, bis man in der Kiste liegt.

H.T. Wie entwickeln sich ihre Arbeiten? Nehmen wir das Beispiel der Arbeiten, die in der Ausstellung zu sehen sind. Sie haben dazu eine lange Reihe von Skizzen gemalt, die Raum und Objekte immer wieder variierten.

Schmitz: Es war ein Ringen mit dem Ausstellungs-Raum –wie bei der Schale- habe ich mich gefragt: wo ist der Raum. Ich möchte nicht Skulpturen in einem Raum stehen haben, sondern einen ganzen Raum sehen. Ich bezeichne die Objekte, die ich da hinstelle, als ,Gefäße’. Mir schwebte ein Gefäß vor, das nicht versucht, innovativ zu sein oder als neu daherzukommen. Bei den Schalen steht in Katalogen oder Artikeln gern etwas von ,neuer Leichtigkeit’ und ,noch nie dagewesen’.

Ich wollte jetzt gedanklich etwas machen, das jeder kennt, das alt oder sogar uralt ist. Ich wollte ganz selbst-verständlich Gefäße machen, wie die Afrikaner Gefäße machen, oder wie die Griechen Gefäße gemacht haben, die jeder Klemptner als Gesellenpüfung fertigen können muss. Ein Stück wollte ich schon dabei weitergehen, aber nicht Innovation um ihrer selbst willen betreiben, sondern ein kollektives Unterbewusstes suchen, das sich in einer solchen Form wiederfinden kann. Ich meine dieses GefühI: das kenn ich doch.

H.T. Sie machen Welt bewohnbar, mit Einzelstücken. Aber die Konfektionsware ist das Charakteristikum unserer Welt. Sie stellen ein Einzelstück oder Objekte in kleiner Serie her. Das ist ein" ähnlicher Anachronismus, wie Bilder mit der Hand zu malen, aber es hat nicht die Zweckfreiheit des Bildermalens. Was für eine Welt haben Sie im Kopf, wenn Sie das, was ich Regal nennen würde ,Metallsubjekt’ nennen.

Schmitz: Man braucht ein Bild eben- so wie man einen StuhI braucht, man braucht Musik genauso wie man ein Gespräch braucht und man braucht Philosophie wie man einen BIick in die Sterne braucht. Die Notwendigkeit gestehe ich allen essentiellen Dingen zu. An einem Gebrauchsgegenstand sollte man sich solange reiben, bis man seine Schönheit entdeckt, dadurch wird er langlebiger, es ist kein Produkt, kein Ding mehr, sondern wird vielleicht ein Freund, wie eine Skulptur, über die man mit der Hand fährt, die man immer wieder neu entdeckt, vor die man sich setzt und sie immer wieder ansieht.



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